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Gedanken zum Monat Oktober: Lügen

Posted by Jan Ischke on 1. November 2016 in Gedanken |

Weißt du… ich bin nicht wütend auf dich, aber sehr enttäuscht. Als du mich heute Mittag eiskalt und ohne rot zu werden angelogen hast, hat mich das erst verwundert, dann ziemlich verärgert und am Ende sehr enttäuscht.
So haben wir dich doch nicht erzogen.
Eine kleine Notlüge ist okay. Vor allem, wenn es um zukünftige Geschenke oder Überraschungen geht. Da geht das Lügen dann gerade noch. Wenn man – wieso auch immer – aus dem Affekt lügt, es aber kurze Zeit später reumütig eingesteht, ist es auch noch okay. Aber seine Eltern anzulügen, um einen persönlichen oder finanziellen Vorteil zu haben und es dann, wenn man ertappt wurde, auf Nachfrage nicht einmal einzugestehen, ist das Letzte! Wirklich!
Wie hast du dich gefühlt, als du gelogen hast? Ging es dir leicht über die Lippen und hast du dir gedacht, was du für einen Idioten vor dir hast? Oder hattest du ein Ziehen im Magen und hast dir insgeheim gewünscht, dass du auffliegst? Ich habe mich beim Lügen nie wohl gefühlt und heraus kam es sowieso immer.
Was hast du dir nur dabei gedacht?! Wolltest du dich für etwas Besseres ausgeben, als du bist, oder brauchtest du Hilfe und hattest Angst mit uns zu reden? Das sind alles keine Gründe! Du bist ein Kind und ein Kind muss lernen, mit Problemen umzugehen. Aber nicht, indem man lügt, sondern – im Gegenteil – mit der Wahrheit und den Handlungen, für die du dich entschieden hast. Wir sind eine Familie. Wir stehen zueinander und sind füreinander da. Wir helfen uns gegenseitig, so gut es geht. Du kannst jederzeit zu mir kommen. Das heißt aber auch, dass man sich nicht anlügt.
Denkst du, eine Lüge kommt nicht heraus? Dann verstehst du den Aufbau einer Lüge nicht: Um eine Lüge zu vertuschen, musst du neue Lügen aufbauen, die aus vielen kleinen Unterlügen bestehen, und so wird dein Lügennetz immer größer und immer undurchschaubarer für dich. Und immer angreifbarer für Andere.
Und das ist nur der Inhalt. Auch deine Mimik und Gestik können dich verraten, während du deine Lüge erzählst. Ist es ein nervöses Blinzeln oder ein unbewusstes Durchs-Haar-Streichen? An irgendetwas verrät man sich immer und wir sind dir einige Jahre voraus, was das Erkennen von Lügen angeht.
Lügen haben kurze Beine, und eine lange Nase, wie Pinocchio. Mit anderen Worten: Du kommst mit Lügen nicht weit und wirst, je öfter du lügst, auch schneller als Lügner erkannt. Baron Münchhausen war weit über das ganze Land bekannt und der log, sobald er den Mund aufmachte. Merke dir das und sei am besten einfach ehrlich.
Wenn du etwas angestellt hast, wirst du mit den Konsequenzen deiner Tat leben müssen, aber die sind bei weitem nicht so schlimm, wie die Konsequenzen, wenn du jemanden wissentlich anlügst und das herauskommt. Das ist dann nämlich eine neue zusätzliche Straftat und wird vor Gericht noch einmal extra bestraft.
Wie würde unsere Gesellschaft aussehen, wenn jeder lügen würde und man sich auf keine Aussage mehr verlassen kann?! Keine Polizei. Keine Ärzte. Keine Lehrer. So etwas würde es nicht geben, weil es dann keine Gesellschaft mehr ist, sondern eine Anarchie von Lügnern.
In Zukunft werde ich dir nicht mehr alles glauben können, was du erzählst, und mich immer fragen müssen: „Hat mein Kind jetzt die Wahrheit gesagt?“ Bis diese Haltung wieder weg ist, wird es noch eine lange Zeit dauern. Aber wir lieben dich. Und gerade weil wir dich lieben, können wir hier und jetzt reden, in Ruhe und ohne Ärger und Wut. Wir schreien dich nicht an, wir werden dir nicht den Hintern versohlen und wir werden auch nicht aufhören, mit dir zu reden. Du kannst jederzeit zu uns kommen, und uns auch alles erzählen. Aber schwindle uns nie wieder an! Einverstanden?
Du kennst doch sicher den Spruch: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“ Darüber solltest du mal nachdenken. Zeit dafür hast du ja nun die nächsten Tage. Du hast Hausarrest! – Schlaf gut.

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