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Mein neues WG-Leben (2010)

Posted by Jan Ischke on 10. August 2010 in Geschichten |

Das Leben mit Mucki (schwarze Mähne, Stupsnase) und Biene (blond, blauäugig), meinen beiden weibli-chen Mitbewohnern, ist schon etwas ganz Besonde-res. Ich stelle die Heizung extra warm an, damit sie weniger Klamotten tragen müssen, doch sie machen einfach das Fenster auf, damit sie sich wieder dick einpacken können.
Mit den Fenstern ist das auch so eine Sache. In der ganzen Wohnung haben wir Fenster, nur in einem kleinen Raum nicht: im Bad.
Geht niemals nach Biene ins Bad! Den Geruch haltet ihr nicht aus! Deoduft, Haarfestiger, Parfum und diverse verschiedenste weitere Düfte, die wohl aus ihren großen und kleinen Dosen, Fläschchen und Behältern kommen, verdrängen den Sauerstoffgehalt auf ein Minimum.
Wenn es dann leider doch sein muss, dass man ins Bad geht, weil vielleicht die morgendliche Zahnpflege dran ist: Versucht, den Geruch zu überdecken! Ich zum Beispiel setze mich zuerst aufs Klo und erledige dort mein Bedürfnis. Danach ist es zumindest für mich auszuhalten. Allerdings rate ich von dem Trick ab, ein Streichholz im Bad zu entzünden. Der Geruch wird danach zwar weg sein, es könnte aber auch bedeuten, dass man auf Grund der Explosion eine lange Zeit auf sein Bad verzichten muss.
Zum Thema Bad muss ich noch ganz kurz etwas loswerden. Die Badzeiten bei uns sind wirklich sehr human: Biene geht von 06:30 Uhr bis 07:20 Uhr, dann darf ich ins Bad, also von 07:20 Uhr bis 07:30 Uhr, abzüglich eventueller Verzögerungen durch Biene, und danach kommt Mucki rein. Gut, ich schaffe dann nicht alles, aber wer muss sich schon Zähne putzen, wenn man auf der Arbeit mit strahlendem Lächeln sagen kann, dass man mit zwei gut aussehenden Frauen gleichzeitig zusammenwohnt?! Wie lange Mucki im Bad verbringt, weiß ich allerdings nicht, da ich sie bisher nie herauskommen sah, bevor ich mich auf den Weg zur Arbeit machte.
Abends, wenn ich erschöpft und müde von der Arbeit komme und ich mich auf weibliche Gesell-schaft freue, sind die Damen natürlich nicht da. Dafür haben sie was anderes hinterlassen: Stapel voller Geschirr – benutztes, schmutziges Geschirr.
Es wird hier grundsätzlich nicht abgewaschen, und es gibt auch nur eine Ausnahme: wenn ich mich dazu freiwillig bereit erkläre. Aber wehe es hat sich noch nicht genug Abwaschbares angesammelt, dann darf ich mir was von Wasserverschwendung und Arbeitswut anhören!
So wähle ich mein Essen immer danach aus, was für Besteck momentan noch zur Verfügung steht. Das geht wirklich und sieht etwa wie folgt aus: Zu-erst kommen die Messergerichte wie zum Beispiel Brot. Wenn diese dann alle aufgebraucht sind, geht es weiter zu den Gabelgerichten. Dies wären dann meist Fleischgerichte, die aber klein oder fertig ge-schnitten sein müssen; ich erinnere mich an Würst-chen und Frikadellen. Zum Ende hin kommen dann die Löffelgerichte, also Suppen und Terrinen. Und an einem bestecklosen Tag gibt es Fingerfood, wie zum Beispiel Obst. Infolgedessen kann ich sagen: So abwechslungsreich wie hier habe ich mich sicher noch nie ernährt.
Und wenn ich dann keine Dosen mehr habe, aber dafür schimmliges Brot und braune Bananen, dann wird abgewaschen. Aber auch nur, wenn es schon mittelstark riecht und man sich noch durch die Barrikaden von dreckigem Geschirr bis zur Spüle kämpfen kann.
Beim Abwaschen und Abtrocknen kann ich dann endlich einmal in Ruhe abschalten und entspannen vom Tag; nur leider kommen dann die Mädels meistens total aufgewühlt und laut nach Hause und fragen mich, warum ich denn schon wieder abwasche.

(2009)

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